August 2016 - Aniqatia

Das kann nicht jede Band von sich sagen: Ihr Bandname entstand aus dem Schreibfehler eines Zeitungs-Rezensenten. Mehr dazu hat die Band uns in der halben Stunde im August 2016 erzählt.

Nachhören:

Die vier Bandmitglieder fanden Anfang 2013 über eine Internet-Anzeige zueinander. Chris Navatier (Gitarre, Gesang) und Jared Balogh (Bass, Gesang) waren schon seit Jahren miteinander befreundet, ebenso wie Josh Beck (Gitarre, Gesang) und Nick Fritz (Schlagzeug). Chris und Jared suchten weitere Musiker, um zusammen mit ihnen ein neues Bandprojekt zu starten und schalteten im Internet eine Anzeige. Josh und Nick, ebenfalls Freunde und auf der Suche nach einer neuen Band, antworteten auf die Anzeige. Im März 2013 kam es zu einem ersten Treffen der Musiker aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania inklusive Jamsession. "Die Musik floss einfach aus uns raus, es fühlte sich toll an, obwohl wir uns nicht alle kannten, funktionierte es einfach", sagt Schlagzeuger Nick im Ferninterview mit Netzwelle 16.

Was noch fehlte, war ein geeigneter Bandname. Nick war es, der ihn in der Rezension zu einer Folge einer amerikanischen Science-Fiction-Serie fand. Der Rezensent hatte den Titel der Folge, "Aniqatiga", falsch buchstabiert, so entstand "Aniqatia". Nick stellte den Namen zur Abstimmung gegen einen anderen Vorschlag, bei der Abstimmung unter den vier Bandmitgliedern kam es allerdings zu einem Unentschieden.

Da die Abstimmung in einer Bar stattfand, ließen die Musiker eine Kellnerin entscheiden - sie war für "Aniqatia". "Dieser Name wird ständig falsch ausgesprochen oder falsch geschrieben", sagt Nick, "weil das Wort einfach nicht existiert. Wenigstens findet man uns über Suchmaschinen sehr schnell, ohne eine Million Ergebnisse zu bekommen."

"Im ersten Jahr haben wir so viele Songs geschrieben wie möglich", erzählt Nick, "dann suchten wir uns die besten davon aus". Aus diesen entstand Aniqatias erste EP "Erratics", die im Juni 2014 erschien.

Aniqatias Musik basiert auf Alternative Rock, dazu mischen sich aber noch andere Einflüsse wie Progressive Rock, Post Rock, Classic Rock und auch Grunge. Welche Eigenschaften machen die Musik aber einzigartig? Das haben wir die Band auch gefragt.
"Zunächst machen uns die vielen verschiedenen Veränderungen in der Dynamik einzigartig", sagt Nick, "wir versuchen, mit verschiedenen Taktarten, Geschwindigkeiten und Atmosphären zu experimentieren, dem Zuschauer soll nie langweilig werden."

Die zweite einzigartige Eigenschaft sind, so Nick, die "unstrukturierten Songs" von Aniqatia. Die Band orientiert sich nicht immer an typischen Songstrukturen, sondern lässt "den Song diktieren, wie er sich entwickeln wird". Tatsächlich findet man in vielen Songs häufig unerwartete, aber nie zu heftige Brüche in der Musik, die Aniqatias Songs rein musikalisch sehr interessant machen.

"Der dritte Aspekt ist, dass wir keinen festen Sänger haben, sondern sich drei von uns den Gesang aufteilen", erzählt Nick. In manchen Songs singen alle drei, in anderen nur ein Sänger. "Je nachdem, was am besten für einen Song passt, teilen wir den Gesang ein."

Inspiriert wird die Band dabei von Bands wie Sunny Day Real Estate, Russian Circles oder Hum, musikalisch gesehen ähnlichen Bands wie Aniqatia. Aber auch rein von der Bandgeschichte her sind diese Bands Vorbilder für Aniqatia, "weil sie es geschafft haben, sich eine große Fanbase aufzubauen, aber immer noch Einzigartiges und Interessantes erschaffen. Sie ruhen sich nie auf ihrem Erfolg aus, sie machen immer noch genau das, was sie als Band machen wollen." Eine große Fanbase sei auch das Ziel von Aniqatia, sagt Nick, sollte die Band die aber nicht bekommen, könne sie zumindest stolz auf die Musik sein, die sie mit diesem Ziel im Hinterkopf produziert hat.

Auf Aniqatias erster EP "Erratics" befindet sich unter anderem der Titel "The Cost" ("Der Preis").



Der Song erzählt die Geschichte zweier Menschen, die zusammen eine gefährliche, länger andauernde Situation überleben, indem sie sich gegenseitig unterstützen und damit am Leben halten. Die Inspiration zu dem Titel bekam Gitarrist Josh, der "The Cost" geschrieben hat, als er einen Zeitungsartikel über den Kidnapper Ariel Castro las. Castro entführte zwischen den Jahren 2002 und 2004 insgesamt drei junge Frauen und hielt sie neun beziehungsweise elf Jahre in seinem Haus fest. Im Jahr 2013 konnten die Frauen befreit werden. Hier fand Josh den Grundgedanken des gemeinsamen Zusammenhalts in einer scheinbar auswegslosen Situation, der in dem Song verabeitet wird.

"Allgemeiner gefasst handelt der Song davon, mit einem Menschen, den man liebt, durch schwierige Zeiten zu gehen, indem man seine Probleme zu zweit angeht", sagt Nick.

Der Bassist Jared hat sich vor einigen Monaten von Aniqatia getrennt, sein Nachfolger ist Dan Soffer. Im Jahr 2017 will Aniqatia ein neues Album veröffentlichen.

Website: nefariousindustries.com/artists/aniqatia/