Oktober 2016 - Lights From Space


Das Gefühl, ein Außenseiter zu sein, der völlig unbeachtet bleibt und in einer großen, grauen Masse versinkt, egal, mit wie viel Mühe er nach Aufmerksamkeit sucht - das kennen John, Phil und Bill von Lights from Space ziemlich gut. Als Rock- und Popmusiker fühlten sie sich zunächst wie Aliens, die versuchten, in die überdimensionale Folkszene ihrer Heimatstadt Seattle einzudringen. Wie kleine Lichter aus dem Weltraum - und so entstand auch der Bandname "Lights from Space". Wir haben die Band in der halben Stunde im Oktober 2016 vorgestellt.

Nachhören:



Die Band besteht aus John Conner (Gesang, Gitarre), Phil Catalan (Bass) und Bill Lor (Schlagzeug). Ihre Geschichte beginnt bereits im Jahr 2004 unter dem Namen "Bullfighter" und noch ohne Phil. Frontmann und Sänger war damals Pardeep Deol, der jedoch bereits 2006 an Leukämie starb. "Auch wenn uns sein Tod damals sehr schwer getroffen hat war uns klar, dass er gewollt hätte, dass wir weiter als Band bestehen bleiben und Musik machen", sagt John. Die Rückkehr der Band als Lights from Space erfolgte im Jahr 2009, als Phil als Bassist dazustieß.

"Damals 2009 wurde die Musikszene von Seattle vom Folk beherrscht", erklärt John im Ferninterview mit Netzwelle 16. "Wenn du irgendetwas anderes als Folk gespielt hast, ist niemand auf dich aufmerksam geworden. Niemand hat uns auch nur eine Chance gegeben und wir wussten schon, während wir sie gemacht haben, dass wir mit unserer Musik nicht berühmt werden."

Die Musik von Lights from Space unterscheidet sich verständlicherweise recht deutlich von Folk: Die Band spielt Rock- und Popmusik, wobei selten eine Mischung beider Genres vorliegt, sondern sich Songs leichter einer der beiden Kategorien zuordnen lassen und Rock insgesamt überwiegt. Das könnte daran liegen, dass das Songwriting bei Lights from Space sehr locker gehandhabt wird. "Wir sind überhaupt nicht darauf fokussiert, etwas Bestimmtes zu produzieren", sagt John. "Das macht eine Band doch aus, dass wir uns treffen und einfach Musik machen können. Die meisten Songs formen sich während dieser Jamsessions von selbst. Wir schreiben dann das auf, was wir gut finden."
"Dadurch sind alle Bandmitglieder am Entstehungsprozess eines Songs beteiligt", ergänzt Phil.
Im Januar 2011 erschien die erste EP der Band mit sechs Songs, "Six Song Set".

Doch die schönste Musik nützt niemandem, wenn keiner sie hört. Und weil es im Folk-belasteten Seattle umso schwerer ist, gesehen und gehört zu werden, mussten Lights from Space zu außergewöhnlichen Mitteln greifen. Das Cover des September 2012 erschienenen Albums mit dem leicht sarkastischen, aber treffenden Titel "No One Knows We're Here" ("Keiner weiß, dass wir hier sind") zeigt John, Phil und Bill - wider Erwarten für eine Rockband - vornehm gekleidet in Anzug und Krawatte - und völlig durchnässt, bis zum Bauch im Wasser stehend.
"Jeder Mensch, der dieses Bild sieht, sollte da normalerweise zweimal hingucken und sich denken 'Was zur Hölle machen diese Typen in den Anzügen da im Wasser?'", erklärt John das Cover, hörbar zufrieden mit der Idee. "Das Bild gibt für mich auch in irgendeiner Weise wieder, durch was für Schwierigkeiten wir damals durchmussten. Wahrscheinlich ist es das beste Cover, das wir jemals gemacht haben."



Auf dem Album "No One Knows We're Here" befindet sich unter anderem der Titel "Not Enough" ("Nicht genug"). "Der Song handelt davon, wenn man in jemanden verliebt ist und glaubt, dass diese Person einen vielleicht auch lieben könnte, dann aber über eine dritte Person erfährt, dass das auf keinen Fall so ist", sagt John. Als er den Songtext zu "Not Enough" schrieb, war er selber in einer vergleichbaren Situation. "In dem Song geht es um den Schmerz, das gebrochene Herz, das Nicht-Wahrhaben-Wollen, das man in dieser Situation fühlt".

Außenseiter sind Lights from Space mit ihrer Musik inzwischen nicht mehr. Die Band tritt regelmäßig auf und hat im Jahr 2014 mit "To The Stars" ("Zu den Sternen") ein weiteres Album veröffentlicht. Die Aliens sind endgültig auf der Erde angekommen und haben sich dort erfolgreich angesiedelt.


Website: lightsfromspace.bandcamp.com